Was ist Geocaching ? (Quelle Wikipedia)

 

 

Geocaching (von griechisch γη, geo „Erde“ und englisch cache „geheimes Lager“ (gesprochen: ['dʒiːoʊ̯kæʃɪŋ], in Deutschland zumeist ['geːokɛʃɪŋ])), auch GPS-Schnitzeljagd genannt, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke („Geocaches“, kurz „Caches“) werden anhand geographischer Koordinaten im World Wide Web veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Auch die Suche ohne GPS-Empfänger ist mittels genauen Kartenmaterials möglich.

Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere der Verstecker oder „Owner“ (englisch „Eigentümer“) – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen.

 

Geschichte 

Die Anfänge 

Das Geocaching lässt sich auf das schon ältere Letterboxing zurückführen, bei dem ebenfalls an verschiedenen Orten Behälter versteckt werden, die jedoch ohne GPS-Unterstützung gesucht werden. Die Suche erfolgt anhand von Hinweisen und eines Kompasses. Im Behälter ist ein spezieller Stempel, mit dem man den Fund in seinem persönlichen Logbook vermerkt. Letterboxing gab es nachweislich bereits 1854 in Dartmoor und es ist dort nach wie vor populär.

Seit den 1980ern praktizierte Nuuksion Metsäsissit in der Gegend um Helsinki in Finnland nur mit Hilfe einer Landkarte und einer Genauigkeit von 10 Metern ebenfalls Schnitzeljagden, bei denen Behälter mit verschiedenem Inhalt versteckt wurden. Anschließend gab er die ermittelten Koordinaten an Bekannte, die sich damit auf die Schatzsuche machen konnten. Ab den 1990er Jahren wurde zum ersten Mal das GPS-Signal verwendet, um die Genauigkeit der Koordinaten zu verbessern.

 

Beginn der modernen Schnitzeljagd  

Erst durch die Abschaltung der künstlichen Verschlechterung der Genauigkeit (Selective Availability) des GPS-Signals durch die US-Regierung am 2. Mai 2000 wurde der Einsatz der GPS-Geräte im privaten Einsatzgebiet praktikabel. Die bisherige Genauigkeit der Positionsbestimmung per GPS-Signal wurde für nichtmilitärische Nutzer von ca. 100 Meter auf etwa 10 Meter erhöht. Um diese Verbesserung zu feiern, schlug Dave Ulmer am 3. Mai 2000 in der Usenet-Newsgroup sci.geo.satellite-nav unter dem Titel The Great American GPS Stash Hunt vor, ein weltweites Spiel zu starten und an besonderen Orten Behälter mit Tauschobjekten und einem Logbuch zu verstecken.[1] Als Regeln formulierte er „Get some Stuff, Leave some Stuff“ – „Nimm Zeug heraus, hinterlasse Zeug“ und das Führen eines Logbuchs, in dem sich die Finder eintragen und den Tausch von Gegenständen dokumentieren können.

 

Der erste Geocache 

Noch am 3. Mai 2000 vergrub Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Position 45° 17′ 28″ N, 122° 24′ 48″ W einen schwarzen Plastikeimer, in dem er neben CDs, einer Videokassette, Geldscheinen, einem Buch und einer Steinschleuder auch eine Konservendose mit Bohnen hinterlegte. Anschließend veröffentlichte er die Koordinaten des Verstecks in der Newsgroup.[2] Innerhalb eines Tages nach der Veröffentlichung wurde der „Stash“ (englisch „Geheimversteck“, „geheimes Lager“) als erstes von Mike Teague gefunden. Drei Tage später erstellte dieser eine private Website, auf der er die wachsende Anzahl an Stashes und deren Koordinaten dokumentierte.[3]

Der Original-Stash von Dave Ulmer wurde später stark beschädigt und existiert in der ursprünglichen Form nicht mehr.[4] Als Erinnerung wurde an der ursprünglichen Stelle ein neuer Geocache und eine Gedenktafel platziert.[5] Während der Vorbereitungen für die Aufstellung der Platte wurde vor Ort die alte Konservendose gefunden, die als Tauschgegenstand im ersten Stash gelegen hatte. Mittlerweile wird diese als Travel Bug bei Events gezeigt.[6]

Am 30. Mai 2000 wurde das Wort Geocaching zum ersten Mal in einer Newsgroup vorgeschlagen, um negative Assoziationen des Wortes Stash zu vermeiden. Am 2. September 2000 teilte Jeremy Irish in dieser Newsgroup mit, dass er unter der Adresse geocaching.com eine eigene Website zur Auflistung der Caches erstellt hatte. Diese übernahm alle bisherigen Eintragungen von der alten Seite, die Mike Teague aus Zeitgründen nicht weiter aktualisieren konnte.

 

Weltweite Verbreitung 

Laut der Datenbank des größten Geocache-Verzeichnisses geocaching.com existieren heute weltweit insgesamt über 1.500.000 aktive Caches (Stand: September 2011)[7], davon befinden sich über 197.000 in Deutschland, über 13.000 in der Schweiz und über 19.000 in Österreich. In den USA befinden sich mit etwa 657.000 die meisten Caches (Stand: April 2011).[8]

Der erste Cache in Deutschland wurde am 2. Oktober 2000 von Ferenc Franke[9] südlich von Berlin versteckt und trägt den Namen First Germany[10]. Mit 34.000 liegen die meisten Caches in Nordrhein-Westfalen, während die größte Cache-Dichte mit 2,77 Caches/km² in Berlin und nicht mehr in Hamburg mit jetzigen 2,74 Caches/km² zu finden ist (Stand: Juli 2011).[11][12] Schätzungen zufolge begaben sich 2009 in Deutschland rund 25.000 Menschen auf die "GPS-Jagd".[13]

Die größte Cache-pro-Kopf-Verbreitung hatten im Januar 2007 die nordischen Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark.[14]

 

Geocache-Datenbanken 

Durch die schnelle Verbreitung des Geocaching und die wachsende Anzahl an Geocaches entstand schnell die Notwendigkeit, diese in einer gemeinsamen Datenbank zu katalogisieren und den Nutzern über das Internet komfortabel zur Verfügung zu stellen. Die bekannteste und umfangreichste Datenbank ist Geocaching.com, die seit den Anfängen im Jahr 2000 existiert und weltweit über 1.500.000[7] Geocaches enthält (Stand September 2011). Weitere Geocache-Datenbanken sind beispielsweise Navicache.com, Terracaching.com und Opencaching.de. Daneben gibt es länderspezifische Geocaching-Portale wie Geocaching.de, Geocache.at und Geocache.ch.

Hauptartikel: Geocache-Datenbanken


Mögliche Probleme und Kritik 

Caches können von Unbeteiligten irrtümlich für eine Bedrohung gehalten werden, hinter der beispielsweise ein terroristischer Hintergrund vermutet wird. Beispiele sind die vierstündige Sperrung einer Schleuse aufgrund Bombenverdachts[16], ein aufwändiger Polizei- und Feuerwehreinsatz wegen einer "unbekannten Vorrichtung" an einer Straßenlaterne[17] sowie Bombenwarnungen mit anschließenden Polizeieinsätzen an der Autobahn bei Erlangen[18] und in der Wiesbadener Innenstadt.[19] An der Außenseite des Cache-Behälters angebrachte Hinweise und Kontaktinformationen des Owners können helfen, solche Missverständnisse zu vermeiden.[20]

Der Geocacher selbst kann Unbeteiligten ebenfalls verdächtig erscheinen, wenn er den Cache betont unauffällig sucht, findet und wieder versteckt. Beispielsweise schritt schon die Polizei in Bremen ein, da ein Verdacht auf Drogenhandel mithilfe eines konspirativen Drogenversteckes vorlag.[21] Trotzdem sind solche Polizeieinsätze wegen Geocachern seltene Ausnahmen und haben meist keine Folgen für die Geocacher.[22]

Extreme und schwierige Cache-Verstecke können ein Sicherheitsrisiko für Geocacher darstellen.[13] Das Gefährdungspotential von Bunkern, Bergwerksstollen, Höhlen oder Steilwänden ist nicht immer offensichtlich oder wird von Unerfahrenen falsch eingeschätzt. Obwohl für jeden Cache ein Schwierigkeitsgrad angegeben wird, können sich Cacher durch Selbstüberschätzung in Gefahr bringen.[23]

Aus Gründen des Naturschutzes kann es problematisch werden, wenn Geocaching Menschen in Gebiete führt, die bisher weitgehend unberührt waren oder geschützt sind.[24] Dabei können Tiere und Pflanzen gestört werden. Negative Veränderungen von Fledermausquartieren wurden in diesem Zusammenhang bereits nachgewiesen.[13] Dem wird von manchen Cacheownern dadurch Rechnung getragen, dass Caches in Fledermaushöhlen im Winter gezielt deaktiviert werden, um die überwinternden Fledermäuse zu schützen. Beim Verlassen der Wege kann Wild aufgescheucht werden. Das kann negative Auswirkungen auf den Bestand haben – besonders für die Nachkommen und im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapp ist und Energiereserven durch Winterschlaf oder Winterruhe geschont werden sollen.

Geocaching in Jagdrevieren kann unter Umständen - wie jede andere Wanderung im Wald auch - sowohl die Jagdausübung als auch den Geocacher selbst gefährden. Vor allem in Dämmerung und Dunkelheit besteht die Gefahr, nicht erkannt und mit Wild verwechselt zu werden. Von Jagdaufsehern und Jägern werden vor allem Nachtcaches kritisiert. [25]

 

Verwandte Themen  

Ähnliche Freizeitbeschäftigungen mit Schwerpunkt auf Wettbewerb sind Geodashing und das Besuchen von Konfluenzpunkten. Geocaching lässt sich auch mit Bookcrossing verbinden. Eine weitere Spielart ist Waymarking, hierbei geht es darum, interessante Punkte in der Natur (zum Beispiel Berggipfel) oder spezielle Gebäude (wie Wassertürme) aufzufinden (zu fotografieren und die Koordinaten zu ermitteln), aber auch weniger spezielle Punkte können geloggt werden (beispielsweise Restaurants). Mehr auf den Wettbewerbsgedanken ausgerichtet ist das Spiel GPS-Challenge, bei dem es um das Ablaufen oder -fahren von Wegpunkten mit Hilfe von GPS in möglichst kurzer Zeit, das sog. Race, geht. Als Überbegriff für positionsbezogene Spiele, die mobile Endgeräte und Technologien wie GPS verwenden, ist auch der englische Begriff 'Location-based Games' gebräuchlich.

Das schon ältere Letterboxing könnte man als Geocaching ohne GPS auffassen. Auch hier geht es um die Suche von Schätzen anhand von Hinweisen, die hier jedoch ohne Zuhilfenahme von genauen Koordinaten, sondern nur anhand der Beschreibungen und eines Kompasses lokalisiert werden müssen. Eine Besonderheit des Letterboxing besteht darin, dass im Schatz ein spezieller Stempel enthalten ist, der das persönliche Logbuch eines Finders zieren darf, so wie umgekehrt der persönliche Stempelabdruck eines jeden Finders im Logbuch des Schatzes hinterlassen wird. Eine besonders lange und vielfältige Tradition hat das Letterboxing in Dartmoor. Es gibt dort echte Letterboxfreaks. Nichts anderes als die umtriebige Suche nach neuen „Boxes“ treibt diese Menschen. Natürlich ist es mittlerweile möglich, Bücher mit Verzeichnissen vieler Briefkastenorte zu kaufen. Man kann auch jederzeit neue „Briefkästen“ einrichten. Die in den Letterboxes befindlichen Briefe sind vom Finder mit einem Hinweis (eigener Stempelabdruck) und dem zurückgelassenen Stempel des Vorbenutzers der Letterbox, an den Besitzer zu senden, ähnlich einer Flaschenpostsendung, bei der der Sender auf eine Antwort vom Finder wartet.

Eine Variante der Letterboxes sind die „Moving Boxes“: Kleine Schachteln, die sich in den größeren Behältern befinden. Man schreibt hinein, wo man sie gefunden hat und trägt sie weiter bis zur nächsten Letterbox, wo man sie für den nächsten Wanderer hinterlässt.

Insgesamt gibt es angeblich über 3000 Letterboxes in Dartmoor. Sie sind alle verschieden, manche sind dekoriert und viele sind mit witzigen und humorvollen Kommentaren versehen. Wieder andere enthalten Informationen über die Geschichte oder Legenden des Moors. Wenn ein Besucher eine solche Letterbox findet, stempelt und unterschreibt er das Gästebuch. Mancher hat sein eigenes „Letterbox Book“, in das er alle Stempel einträgt, die er findet. Viele haben einen eigenen Stempel, den sie im Austausch mit dem Gefundenen in der Box lassen.